Sie befinden sich hier: 
MC-Mittelhessen.de / Veranstaltung

» Veranstaltung

Referat – 01.02.2017

Wolfgang Grupp: Warum unser Hightech-Land sein Know-how nicht aus den Händen geben darf
Referent(In):

Wolfgang Grupp

Firma:

Geschäftsführer TRIGEMA Inh. W. Grupp e. K.

Internet: www.trigema.de
Veranstaltungsort:

Schunk Group
Rodheimer Str. 59
35452 Heuchelheim
www.schunk-group.com 

Beginn:

19:00 Uhr (Get-together 18:30 Uhr)

Anmeldeschluss: 27.01.2017

Details

T-Shirts, Sweat-Shirts, Tennisbekleidung, Unterwäsche und vieles mehr – wer kennt nicht Deutschlands größten Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung TRIGEMA - das Unternehmen aus Burladingen, das ausschließlich in Deutschland produziert? 

Lediglich Verantwortung und Leistung der Unternehmer sind die Voraussetzungen für eine funktionierende Branche in einer sozialen Marktwirtschaft und damit die Garantie für sichere Arbeitsplätze! Und so sieht TRIGEMA Geschäftsführer Wolfgang Grupp die Pflicht bei den Unternehmern, günstige Produktionsstandorte so zu nutzen, dass sie nicht zum Abbau von Arbeitsplätzen im Inland führen, sondern zur Stärkung dieser inländischen Arbeitsplätze beitragen! 

Grupp ist der Auffassung: Wer im Ausland fertigt, muss nicht automatisch inländische Arbeitsplätze streichen; im Gegenteil. Die Kostenvorteile im Ausland sollten helfen, die Produktion am Standort zu halten und auszubauen. Verlagerungen in Billiglohnländer sind also mit berechtigten Zweifeln zu versehen, wenn sie ausschließlich erfolgen, um kurzfristig die bereits bestehenden Probleme im Inland zu mindern. Wer das als erfolgreiches Unternehmen vornehmen möchte, muss es rechtzeitig tun – und hat dann selbstverständlich die Möglichkeit, durch das Auslagern von Einfacharbeiten die inländischen Arbeitsplätze, die für höhere Anforderung zuständig sind, zu sichern. 

Weiterhin vertritt er die Meinung, dass Standardprodukte oder Massenprodukte in einem Hochlohnland auf Dauer nicht mehr zu produzieren sind und rechtzeitig verlagert werden können bzw. müssen. Technisch hoch stehende Produkte jedoch dürfen aus seiner Sicht nicht verlagert werden und müssen in unserem Hightech-Land produziert werden, damit wir nicht unser Know-how aus den Händen geben. 

Aus Sicht von Wolfgang Grupp wird ein Land, das zu 86 % vom Export lebt, ohne Fabriken und Arbeiter nicht zukunftsfähig sein. Doch antwortet er auf die Frage, ob Deutschland noch ein Standort mit Zukunft ist, klar mit:“JA, wenn wieder jeder Einzelne bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und Leistung zu bringen!“ 

Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag, der sicherlich viele Ansätze zur Diskussion bietet. 

 

Über Wolfgang Grupp: 

Der Geschäftsführer von TRIGEMA ist ein Verteidiger des deutschen Arbeitsplatzes. Unter seiner Führung hat das Unternehmen seit seinem Eintritt im Jahre 1969 weder kurzgearbeitet noch Arbeitskräfte aus Arbeitsmangel entlassen und garantiert auch heute noch den Kindern aller Mitarbeiter einen Arbeitsplatz nach deren Schulabgang. 

Während in der Textil- und Bekleidungsindustrie in Deutschland die Mitarbeiter seit 1970 von 850.000 auf fast 200.000 reduziert wurden, wurden bei TRIGEMA in dieser Zeit nicht nur die Arbeitsplätze erhalten, sondern allein in den letzten 20 Jahren 450 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. 

Heute arbeiten bei TRIGEMA 1.200 Mitarbeiter in einer 4-stufigen Produktion – von der Stoffherstellung bis zum Endprodukt. Die Wertschöpfung im eigenen Unternehmen beträgt 78 % - ohne Bankkredite, mit 100 % Eigenkapital. 

Außerdem vertritt Wolfgang Grupp die Meinung, dass eine Produktion in Deutschland jeder ausländischen Produktion vorzuziehen ist. Voraussetzung ist allerdings, dass die qualifizierten Arbeitskräfte richtig eingesetzt und entsprechend motiviert sind und vor allem ihre Leistung genutzt wird.

 

Kooperationsveranstaltung zwischen:

                             

IHK Gießen-Friedberg                                                                     Marketing-Club Mittelhessen e. V.

 

Parkplätze:

Parkplätze stehen auf dem Besucherparkplatz rechts neben dem "Schunk-Turm" zur Verfügung.

 

Gastbeitrag für Nicht-Mitglieder: 45,00 € (bar gegen Quittung)

» Presse

03.02.2017 - Gießener Anzeiger

Loblied auf den "ehrenwerten Kaufmann"

Trigema-Chef Wolfgang Grupp erklärt Gründe für Erfolg seines Unternehmens und was ihm zumindest teilweise an Trump gefällt

Der Unternehmer präsentiert sich, wie man ihn aus dem TV kennt: elegant und schlagfertig.

Wenn jemand trotz sechs Pleiten immer noch Milliardär bleibt, dann hat das nichts mit einem ehrenwerten Kaufmann zu tun": Das Urteil von Trigema-Chef Wolfgang Grupp über den neuen US-Präsidenten Donald Trump ist vernichtend. Allerdings gilt es in diesem Falle vorrangig Trumps Fähigkeiten als Unternehmer. Denn was die Entschlossenheit des "mächtigsten Mannes der Welt" angeht, gibt es von Grupp lobende Worte: "Man erlebt es nicht oft, dass ein Politiker Dinge ankündigt und sie dann gleich am ersten Tag im Amt auch umsetzt." Zudem habe Trump den "Mut, heute A zu sagen, und morgen B". Dennoch zeigte sich Wolfgang Grupp, Inhaber des laut eigener Aussage "größten und einzigen in Deutschland übrig gebliebenen" Textilgroßkonzerns, "gespannt, wie die Geschichte mit Trump weitergeht". Da ging es ihm wie so ziemlich allen rund 180 Zuhörern, die am Mittwochabend zur Veranstaltung des Marketing-Clubs Mittelhessen - der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert - in die Zentrale der Schunk Group in Heuchelheim gekommen waren.

Wie man Wolfgang Grupp aus dem Fernsehen von Interviews oder Talkshow-Auftritten kennt, so präsentierte er sich auch bei seinem Vortrag. Wie gewohnt mit elegantem Anzug mit Krawatte und Einstecktuch in der Brusttasche, braun gebrannt, mit makelloser Frisur, schlagfertig und um kaum einen Spruch verlegen. Das Thema lautete zwar "Know-how in Deutschland halten" - wie man einfache Tätigkeiten ins Ausland verlagern und dennoch hierzulande Arbeitsplätze erhalten kann -, doch wollten die Zuhörer von dem überaus erfahrenen, mittlerweile 74-jährigen Geschäftsmann auch einiges zu seinen Ansichten zur aktuellen Weltpolitik- und -wirtschaftslage erfahren. So hatte er zu Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrer Flüchtlingspolitik, obwohl selbst langjähriger CDU-Wähler, eine nicht parteikonforme Meinung: Zwar sei es richtig, verfolgten und aus Kriegsgebieten kommenden Flüchtlingen Schutz zu gewähren. Doch hätte Merkel auch "den Mut haben müssen", über die potenziellen Gefahren wie möglicherweise mit einreisende Terroristen zu sprechen und hier vorzubeugen. "Dann wäre uns vieles erspart geblieben, und die AfD würde bei Wahlen auf höchstens fünf Prozent der Stimmen kommen", zeigte er sich überzeugt.

Dem neuen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz attestierte Grupp eine "tolle Antrittsrede", warf ihm aber vor, falsch zu liegen mit dem Vorhaben, höhere Steuern für Unternehmen und Einkommen einzuführen. Alle so gleichermaßen zu bestrafen, sei "nicht gerecht", fand der Geschäftsmann und forderte von der SPD zu differenzieren zwischen Unternehmen, die aufgrund großen Engagements erfolgreich sind, und anderen, die infolge "Unfähigkeit" Verluste einfahren und Arbeitslose verursachen. Es gelte also für die SPD, "den ehrenwerten Kaufmann zu erkennen". Viele überrascht haben dürfte Grupps "Geständnis", bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg den Grünen-Politiker und jetzigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gewählt zu haben. Dieser habe ihn nämlich mehr als die anderen Spitzenkandidaten überzeugt. Was Grupp vor dem Wahltermin auch seine Mitarbeiter und die Bevölkerung in Burladingen (Standort von Trigema, Anm. d. Red.) wissen ließ. "Und so erzielten die Grünen in Burladingen auf einmal 30 Prozent, nachdem sie vorher immer nur einstellig waren", berichtete er nicht ohne Stolz.

Zur Kategorie "ehrenwerter Kaufmann" zählt der Trigema-Chef auch sich selbst. Nachdem er das Unternehmen 1969 von seinem Vater mit zehn Millionen Deutsche Mark Schulden übernommen hatte, betrug der Umsatz im vergangenen Jahr 97,4 Millionen Euro - bei inzwischen rund 1200 Beschäftigten, die in der Woche "zwischen 125 000 und 150 000 Teilen" anfertigen. Und das in der Textilbranche, die so schwierig sei wie kaum eine andere: "Schließlich hat jeder schon die Schränke voll mit den Klamotten", stellte Grupp fest. Daher gelte es für sein Unternehmen, den Bedarf für neue Kleidung "erst zu wecken". Als wichtigste Komponenten für seinen Erfolg nannte der Konzernchef "Qualität und Flexibilität". Und fügte hinzu: "Ich habe noch nie einen Auftrag abgelehnt." Dabei setzt er große Stücke auf seine Mitarbeiter, denen Grupp bei entsprechenden Leistungen und zur Motivation den Mindestlohn innerhalb weniger Monate auch schon mal zweimal erhöht. Sollte die Auftragslage, wie im Januar, schwächer sein, "dann wird in dieser Zeit unser Lager voll gefahren".

Von Rabattschlachten, auf die andere setzen, hält Wolfgang Grupp indes überhaupt nichts. "Unser größter Firmenkunde hat die niedrigsten Preise", darunter seien diese gestaffelt. Zudem vermeide er es, potenzielle Kunden mit dem ständigen Zusenden neuer Kataloge zu nerven. "Wenn sie auch nach dem zweiten Katalog nicht bei uns kaufen, dann sparen wir uns das." Genauso verzichte sein Unternehmen auf Vertreter wie auch Manager. Wobei er es sich nicht nehmen lässt, bei in Aussicht stehenden Großaufträgen persönlich bei den Interessenten vorzusprechen. "Ich mache das lieber selbst", sagt der 74-Jährige, für den "die beste Entscheidung eine schnelle Entscheidung ist". Und der Probleme sofort angeht: "Jedes große Problem war irgendwann einmal ein kleines. Wer es also groß werden lässt, ist selbst schuld", so Grupp.

 

INTERVIEW MIT WOLFGANG GRUPP

Schon etwa 50 Minuten vor Beginn seines Vortrags kommt Wolfgang Grupp in Heuchelheim an - mit dem Auto. Offenbar wäre er lieber mit seinem Hubschrauber angereist. "Aber der dürfte spät abends nicht mehr starten", sagt der Trigema-Chef im Gespräch mit dem Anzeiger. Und nimmt sich noch einige Minuten mehr Zeit für weitere Fragen.

Herr Grupp, Sie werden im April 75 Jahre "jung": In diesem Alter haben sich die meisten Firmenchefs schon längst zur Ruhe gesetzt. Was treibt Sie weiter an? Das Schönste im Leben ist für mich das Gefühl, zu wissen, dass man gebraucht wird. Und so lange ich das habe, wäre es fatal aufzuhören. Außerdem habe ich erst mit 46 Jahren geheiratet - es passt also, dass ich auch mit dem Ruhestand etwas später dran bin.

Sie stammen aus einem katholischen, eher konservativen Elternhaus und haben Ihre Schulzeit im Jesuitenkolleg St. Blasien verbracht: Sind konservative Werte für heutige Unternehmer überhaupt noch zeitgemäß? Ich bin jetzt seit 48 Jahren Unternehmer. Bestimmte Werte sind damals wie heute gültig, wie zum Beispiel Fairness. Allerdings leite ich meine Firma nicht wie vor 30 Jahren. Das wäre fatal. Denn ich bin letztendlich Kapitalist und möchte Geld machen.

Sie garantieren allen Kindern Ihrer über 1200 Angestellten einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz im Unternehmen - was versprechen Sie sich davon? Ich kann mir auf diese Weise sicher sein, dass ich gute Mitarbeiter bekomme. Denn die Eltern würden ihre Kinder ja nicht zu mir schicken, wenn dem nicht so wäre. Schließlich wollen sich die Eltern nicht blamieren. Heute arbeiten drei Generationen gleichzeitig bei Trigema, wir sind wie eine große Familie. 80 Prozent der jetzigen Leute auf führenden Posten sind die Kinder von Mitarbeitern. Nach Burladingen (Standort des Unternehmens, Anm. d. Red.) will ja sonst keiner. Und wenn man zum Beispiel jemanden in Hamburg nicht als Mitarbeiter haben will, dann will ich den auch nicht.

Gibt es eigentlich noch immer die beliebte Trigema-TV-Werbung mit dem Affen? Seit zwei Jahren gibt es diesen TV-Spot nicht mehr. Aber der Affe ist nicht ganz verschwunden. Am Ende unserer aktuellen Fernsehwerbung taucht er kurz auf. Denn wenn die Menschen den Affen so sehr mit Trigema verbinden, kann man ihn nicht einfach raus lassen. Außerdem ist er für uns eine Art Maskottchen.

Es soll ja wegen des Affen-Spots Proteste von Tierschützern gegeben haben? Ja, die gab es. Wir haben einige Briefe erhalten, es waren aber nur wenige. Für die Proteste habe ich jedoch kein Verständnis.

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten, für Ihre Firma unterwegs sind oder Vorträge halten? Früher habe ich viel Tennis gespielt, aber damit musste ich aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten. Allerdings nehme ich keine Medikamente, sondern lebe sehr diszipliniert. Zudem bin ich gerne draußen und genieße die Natur. Wir besitzen ein Jagdhaus im Allgäu, wo wir gerne unseren Urlaub verbringen.

 

Quelle: Gießener Anzeiger, 3. Februar 2017

RedakteurIn: FotografIn: Internet: Datei/Download:
Frank Oliver Docter Friese

06.02.2017 - Gießener Allgemeine

Trigema-Chef erzählt seine Erfolgsgeschichte

Wolfgang Grupp spricht auf Einladung des Marketing-Clubs Mittelhessen zu heimischen Unternehmern. Und er gibt ihnen einige Tipps mit auf den Weg

Wolfgang Grupp, Chef der Textilfirma Trigema aus Burladingen in Baden-Württemberg, sprudelt vor Ideen. Einige davon stellte er jetzt beim Marketing-Club Mittelhessen vor. Sein Vortrag stand unter dem Thema »Warum unser Hightech-Land sein Know-how nicht aus den Händen geben darf«. Der Marketing-Club hat damit den Reigen seiner Veranstaltungen im Jubiläumsjahr (25-jähriges Bestehen) in den Räumen der Schunk-Gruppe in Heuchelheim eröffnet. Mitveranstalter war die Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg.

 

Trigema produziert ausschließlich in Deutschland und hat trotz des harten Konkurrenzkampfes in der Branche der Versuchung widerstanden, die Produktion oder Teile davon in Niedriglohnländer zu verlagern. Mit Erfolg, wie der 74-jährige Eigentümer berichtete. Die Firma, die sich auf die Herstellung von Sport- und Freizeitkleidung sowie Unterwäsche spezialisiert hat, beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter und schreibt schwarze Zahlen.

In seiner humorvoll gehaltenen, allerdings auch mit einer Reihe von drastischen Aussagen (»Trump ist als Unternehmer ein Ausbeuter und Versager«) gespickten Rede zog Grupp die rund 100 Zuhörer in seinen Bann. Es wurde nicht langweilig, vor allem, weil er es verstand, die Erfolgsgeschichte seiner Firma so darzustellen, dass die Besucher durchaus Anregungen für ihre Unternehmen erhielten.

Der Trigema-Chef äußerte sich auch zu politischen Themen, so zur Entscheidung der Bundesregierung, so viele Flüchtlinge aufzunehmen. Das sei einerseits richtig gewesen, andererseits habe man es versäumt, später notwendige Korrekturen vorzunehmen. Wäre das geschehen, würde die AfD höchstens fünf bis sechs Prozent erhalten. Grupp brachte seine Genugtuung darüber zum Ausdruck, dass der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz von Gerechtigkeit gesprochen habe. »Es ist gerecht, wenn Unternehmer ihre Pflicht erfüllen.« Es gebe in Deutschland zu viele unverantwortliche Unternehmer. »Haben Sie mal einen gescheiterten Unternehmer in Hartz IV gesehen?« fragte Grupp in die Runde. Wenige, lautete die Antwort. Viele war die Antwort auf die Frage, »Haben Sie mal gute Arbeitnehmer in Hartz IV gesehen?«.

Grupp trägt er als eingetragener Kaufmann das alleinige Haftungsrisiko in seiner Firma, er haftet persönlich und in vollem Umfang für seine geschäftlichen Entscheidungen und hat sich bewusst gegen die Gründung einer GmbH entschieden, der in Deutschland häufigsten Form einer haftungsbeschränkten Kapitalgesellschaft. Der Referent stellte seine Unternehmensphilosophie vor, aber auch den nicht immer einfachen Weg, die Produkte zu vermarkten. Er beschrieb den zuweilen steinigen Pfad, die Produktionsstandorte von Trigema in Deutschland zu erhalten. Zunächst verlief der Vertrieb über Kauf- und Versandhäuser, später über SB-Warenhäuser, dann über Discounter. Immer wieder versuchten die Wiederverkäufer, die Preise zu drücken. »Zehn Jahre lang war Aldi unser größter Kunde, doch dann wollte Aldi die Preise nicht mehr zahlen, und so war ein 33-Millionen-Auftrag weg. Das haben aber meine Mitarbeiter nicht zu verantworten, das ist meine Verantwortung«, sagte der Referent. Und so fand der Unternehmer neue Wege, die Produkte an den Kunden zu bringen. Mit sogenannten Testgeschäften, verteilt über Deutschland, erwirtschaftet Trigema heute 52 Prozent des Umsatzes, weitere zehn Prozent über den Online-Handel. Rund zwei Drittel der Produkte werden in Eigenregie verkauft.

Als Vorteile der Trigema-Produkte sieht Grupp die Qualität der Textilien, aber auch die Flexibilität, was die Kundenwünsche anbelangt. »Wenn jemand sagt, die Globalisierung hat Arbeitsplätze weggenommen, dann sind es die Versager«, stellt der Trigema-Chef dazu fest.

»In der Verwaltung wird das Geld ausgegeben, in der Produktion verdient.« Diese These hat Wolfgang Grupp verinnerlicht und in seiner Firma umgesetzt. Von den 1200 Beschäftigten arbeiten 32 in der Verwaltung, berichtet der Unternehmer, der außerdem darauf setzt, den Kindern von Mitarbeitern Arbeitsplätze anzubieten. Aus Eigennutz, wie er augenzwinkernd anmerkt, denn »die Eltern haben ein Interesse daran, dass ihr Kind gute Arbeit macht«.

Eine andere Philosophie: »Lieferanten müssen Freude am Auftrag haben.« Und so hält Grupp nichts davon, Zulieferer unter Druck zu setzen. »Und wenn mir einer 40 Prozent Rabatt einräumt, hat er mich um 50 Prozent betrogen.« Der Redner spricht sich gegen die Beschäftigung von Leiharbeitern in seinem Unternehmen aus. »Entweder ich brauche die Mitarbeiter, dann stelle ich diese ein, oder ich brauche sie nicht.«

Zum Schluss stellte sich Wolfgang Grupp den Fragen der Zuhörer und brachte dabei seinen Unmut über »Bonuszahlungen für Fehlleistungen« zum Ausdruck. Ein unterhaltsamer Vortrag mit zahlreichen Denkanstößen.

Quelle: Gießener Allgemeine, 6. Februar 2017

RedakteurIn: FotografIn: Internet: Datei/Download:
Harold Sekatsch

04.02.2017 - Wetzlarer Neue Zeitung

Grupp ist gespannt auf Trump

Der Trigema-Chef referiert in Heuchelheim über Politik und Geschäfte

Wolfgang Grupp, Chef von Trigema, sprach beim Marketing-Club Mittelhessen

Wenn jemand trotz sechs Pleiten immer noch Milliardär bleibt, dann hat das nichts mit einem ehrenwerten Kaufmann zu tun": Das Urteil von Trigema-Chef Wolfgang Grupp über den neuen US-Präsidenten Donald Trump ist vernichtend. Allerdings gilt es in diesem Falle vorrangig Trumps Fähigkeiten als Unternehmer. Denn was die Entschlossenheit des "mächtigsten Mannes der Welt" angeht, gibt es von Grupp lobende Worte: "Man erlebt es nicht oft, dass ein Politiker Dinge ankündigt und sie dann gleich am ersten Tag im Amt auch umsetzt." Zudem habe Trump den "Mut, heute A zu sagen, und morgen B". Dennoch zeigte sich Wolfgang Grupp, Inhaber des laut eigener Aussage "größten und einzigen in Deutschland übrig gebliebenen" Textilgroßkonzerns, "gespannt, wie die Geschichte mit Trump weitergeht". Da ging es ihm wie so ziemlich allen rund 180 Zuhörern, die am Mittwochabend zur Veranstaltung des Marketing-Clubs Mittelhessen - der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert - in die Zentrale der Schunk Group in Heuchelheim gekommen waren.

Wie man Wolfgang Grupp aus dem Fernsehen von Interviews oder Talkshow-Auftritten kennt, so präsentierte er sich auch bei seinem Vortrag. Wie gewohnt mit elegantem Anzug mit Krawatte und Einstecktuch in der Brusttasche, braun gebrannt, mit makelloser Frisur, schlagfertig und um kaum einen Spruch verlegen. Das Thema lautete zwar "Know-how in Deutschland halten" - wie man einfache Tätigkeiten ins Ausland verlagern und dennoch hierzulande Arbeitsplätze erhalten kann -, doch wollten die Zuhörer von dem überaus erfahrenen, mittlerweile 74-jährigen Geschäftsmann auch einiges zu seinen Ansichten zur aktuellen Weltpolitik- und -wirtschaftslage erfahren. So hatte er zu Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrer Flüchtlingspolitik, obwohl selbst langjähriger CDU-Wähler, eine nicht parteikonforme Meinung: Zwar sei es richtig, verfolgten und aus Kriegsgebieten kommenden Flüchtlingen Schutz zu gewähren. Doch hätte Merkel auch "den Mut haben müssen", über die potenziellen Gefahren wie möglicherweise mit einreisende Terroristen zu sprechen und hier vorzubeugen. "Dann wäre uns vieles erspart geblieben, und die AfD würde bei Wahlen auf höchstens fünf Prozent der Stimmen kommen", zeigte er sich überzeugt.

Dem neuen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz attestierte Grupp eine "tolle Antrittsrede", warf ihm aber vor, falsch zu liegen mit dem Vorhaben, höhere Steuern für Unternehmen und Einkommen einzuführen. Alle so gleichermaßen zu bestrafen, sei "nicht gerecht", fand der Geschäftsmann und forderte von der SPD zu differenzieren zwischen Unternehmen, die aufgrund großen Engagements erfolgreich sind, und anderen, die infolge "Unfähigkeit" Verluste einfahren und Arbeitslose verursachen. Es gelte also für die SPD, "den ehrenwerten Kaufmann zu erkennen". Viele überrascht haben dürfte Grupps "Geständnis", bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg den Grünen-Politiker und jetzigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gewählt zu haben. Dieser habe ihn nämlich mehr als die anderen Spitzenkandidaten überzeugt. Was Grupp vor dem Wahltermin auch seine Mitarbeiter und die Bevölkerung in Burladingen (Standort von Trigema, Anm. d. Red.) wissen ließ. "Und so erzielten die Grünen in Burladingen auf einmal 30 Prozent, nachdem sie vorher immer nur einstellig waren", berichtete er nicht ohne Stolz.

Zur Kategorie "ehrenwerter Kaufmann" zählt der Trigema-Chef auch sich selbst. Nachdem er das Unternehmen 1969 von seinem Vater mit zehn Millionen Deutsche Mark Schulden übernommen hatte, betrug der Umsatz im vergangenen Jahr 97,4 Millionen Euro - bei inzwischen rund 1200 Beschäftigten, die in der Woche "zwischen 125 000 und 150 000 Teilen" anfertigen. Und das in der Textilbranche, die so schwierig sei wie kaum eine andere: "Schließlich hat jeder schon die Schränke voll mit den Klamotten", stellte Grupp fest. Daher gelte es für sein Unternehmen, den Bedarf für neue Kleidung "erst zu wecken". Als wichtigste Komponenten für seinen Erfolg nannte der Konzernchef "Qualität und Flexibilität". Und fügte hinzu: "Ich habe noch nie einen Auftrag abgelehnt." Dabei setzt er große Stücke auf seine Mitarbeiter, denen Grupp bei entsprechenden Leistungen und zur Motivation den Mindestlohn innerhalb weniger Monate auch schon mal zweimal erhöht. Sollte die Auftragslage, wie im Januar, schwächer sein, "dann wird in dieser Zeit unser Lager voll gefahren".

Von Rabattschlachten, auf die andere setzen, hält Wolfgang Grupp indes überhaupt nichts. "Unser größter Firmenkunde hat die niedrigsten Preise", darunter seien diese gestaffelt. Zudem vermeide er es, potenzielle Kunden mit dem ständigen Zusenden neuer Kataloge zu nerven. "Wenn sie auch nach dem zweiten Katalog nicht bei uns kaufen, dann sparen wir uns das." Genauso verzichte sein Unternehmen auf Vertreter wie auch Manager. Wobei er es sich nicht nehmen lässt, bei in Aussicht stehenden Großaufträgen persönlich bei den Interessenten vorzusprechen. "Ich mache das lieber selbst", sagt der 74-Jährige, für den "die beste Entscheidung eine schnelle Entscheidung ist". Und der Probleme sofort angeht: "Jedes große Problem war irgendwann einmal ein kleines. Wer es also groß werden lässt, ist selbst schuld", so Grupp.

 

INTERVIEW "Letzlich bin ich Kapitalist"

Sein Gesicht ist aus dem Werbefernsehen bekannt: Wolfgang Grupp, Chef des Textilherstellers Trigema, hat am Mittwoch in Heuchelheim auf Einladung des Marketing-Clubs Mittelhessen gesprochen.

Herr Grupp, Sie werden im April 75 Jahre "jung": In diesem Alter haben sich die meisten Firmenchefs schon längst zur Ruhe gesetzt. Was treibt Sie weiter an? Das Schönste im Leben ist für mich das Gefühl, zu wissen, dass man gebraucht wird. Und so lange ich das habe, wäre es fatal aufzuhören. Außerdem habe ich erst mit 46 Jahren geheiratet - es passt also, dass ich auch mit dem Ruhestand etwas später dran bin.

Sie stammen aus einem katholischen, eher konservativen Elternhaus und haben Ihre Schulzeit im Jesuitenkolleg St. Blasien verbracht: Sind konservative Werte für heutige Unternehmer überhaupt noch zeitgemäß? Ich bin jetzt seit 48 Jahren Unternehmer. Bestimmte Werte sind damals wie heute gültig, wie zum Beispiel Fairness. Allerdings leite ich meine Firma nicht wie vor 30 Jahren. Das wäre fatal. Denn ich bin letztendlich Kapitalist und möchte Geld machen.

Sie garantieren allen Kindern Ihrer über 1200 Angestellten einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz im Unternehmen - was versprechen Sie sich davon? Ich kann mir auf diese Weise sicher sein, dass ich gute Mitarbeiter bekomme. Denn die Eltern würden ihre Kinder ja nicht zu mir schicken, wenn dem nicht so wäre. Schließlich wollen sich die Eltern nicht blamieren. Heute arbeiten drei Generationen gleichzeitig bei Trigema, wir sind wie eine große Familie. 80 Prozent der jetzigen Leute auf führenden Posten sind die Kinder von Mitarbeitern. Nach Burladingen (Standort des Unternehmens, Anm. d. Red.) will ja sonst keiner. Und wenn man zum Beispiel jemanden in Hamburg nicht als Mitarbeiter haben will, dann will ich den auch nicht.

Gibt es eigentlich noch immer die beliebte Trigema-TV-Werbung mit dem Affen? Seit zwei Jahren gibt es diesen TV-Spot nicht mehr. Aber der Affe ist nicht ganz verschwunden. Am Ende unserer aktuellen Fernsehwerbung taucht er kurz auf. Denn wenn die Menschen den Affen so sehr mit Trigema verbinden, kann man ihn nicht einfach raus lassen. Außerdem ist er für uns eine Art Maskottchen.

Es soll ja wegen des Affen-Spots Proteste von Tierschützern gegeben haben? Ja, die gab es. Wir haben einige Briefe erhalten, es waren aber nur wenige. Für die Proteste habe ich jedoch kein Verständnis.

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten, für Ihre Firma unterwegs sind oder Vorträge halten? Früher habe ich viel Tennis gespielt, aber damit musste ich aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten. Allerdings nehme ich keine Medikamente, sondern lebe sehr diszipliniert. Zudem bin ich gerne draußen und genieße die Natur. Wir besitzen ein Jagdhaus im Allgäu, wo wir gerne unseren Urlaub verbringen.

 

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung, 4. Februar 2017

RedakteurIn: FotografIn: Internet: Datei/Download:
Frank Oliver Docter Friese