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Referat – 22.11.2016

Ulrike Stöckle: Digitales Fasten
Referent(In):

Ulrike Stöckle

Firma:

Diplom-Betriebswirtin und Journalistin
Agentur für nachhaltige Kommunikation

Internet: www.nachhaltig-kommunizieren.com
Veranstaltungsort:

Rittal Arena Wetzlar
Wolfgang-Kühle-Str. 1
35576 Wetzlar
www.rittal-arena.de 

Beginn:

19:00 Uhr (Get-together ab 18:30 Uhr)

Anmeldeschluss: 18.11.2016

Details


Warum uns Goldfische überlegen sind? Eine neue Studie von Microsoft bringt es an den Tag: Menschen haben mittlerweile eine geringere Aufmerksamkeitskapazität als Goldfische. Noch im Jahr 2000 sollte die Aufmerksamkeitsspanne im Schnitt bei zwölf Sekunden liegen, heute liegt sie lediglich bei acht Sekunden. Damit steht der Goldfisch mit neun Sekunden etwas besser da. Woran das liegt? Goldfische können (noch) keine Smartphones bedienen. Wir befinden uns im permanenten Informations-Overflow, der von allen Medien und Netzwerken gespeist wird. Immer erreichbar und getrieben von dem Gedanken wir könnten etwas verpassen, wenn wir nicht im Takt unserer Atmung auf das Handy schauen. Es ergreifen uns panische Gefühle, wenn die Datenverbindung stockt („Sie surfen den restlichen Monat mit reduzierter Datenmenge“) oder schlimmer noch: wenn überhaupt keine Internetverbindung vorhanden ist – offline! 

Mittlerweile schickt das ultra-digitale Unternehmen Apple seine Mitarbeiter schon in digitale Diätkurse, damit sich die Gehirne und deren Geist grundlegend entspannen können. Denn Innovation und neue Ideen entstehen nur durch innerliche Entspannung, diese innerliche Entspannung lässt sich aber in unserer heutigen „Social medialen Gesellschaft“ kaum noch erreichen. Ein schönes Abendessen, ohne sofort das Handy für ein Selfie zu zücken, um es bei Facebook zu posten? Schnell noch vor dem Zubettgehen Facebook & Co. gecheckt und auf WhatsApp auf eine Flut an Nachrichten geantwortet? Anhand von wissenschaftlichen Ergebnissen zeigt Ulrike Stöckle, Diplom-Betriebswirtin und Journalistin, wie sich unser digitales Nutzungsverhalten verändert und somit auch unser gesamtes Berufs- und Privatleben. Als Digital Detox Coach lehrt sie in ihren Camps und Seminaren, wie wir das Rad wieder drehen und durch das Einschalten eines Offline- Modus wieder Zeit für die echten Dinge im Leben gewinnen können.

Parken

An Parkmöglichkeiten stehen Ihnen neben dem Parkhaus (gebührenpflichtig) der kostenlose Busparkplatz (Anfahrtsbeschreibung) sowie ein paar wenige kostenlose Parkplätze der Anlieferung (Beschilderung "Anlieferung Forum/Arena" folgen) zur Verfügung.

Gastbeitrag für Nicht-Mitglieder: 40,00 € (bar gegen Quittung)

» Presse

25.11.2016 - Wetzlarer Neue Zeitung

"Dauererreichbarkeit kann krank machen“

Auf die richtige Dosis kommt es an, sonst droht die totale Verschmelzung von Beruf und Freizeit

Vielnutzern rät Ulrike Stöckle zu einem Fahrplan bei der Mediennutzung.

Smartphones und E-Mails bestimmen längst unseren Alltag. Dass ständige Erreichbarkeit aber nicht nur den „Workflow“ stören, sondern auch krank machen kann, hat Ulrike Stöckle in der Rittal-Arena deutlich gemacht. 

Auf Einladung des „Marketing- Clubs Mittelhessen“ hielt die Inhaberin der „Agentur für nachhaltige Kommunikation“ ihren Vortrag „Dauererreichbarkeit – die Schlange im digitalen Garten Eden“ vor 30 Gästen. Am Ende war die Botschaft klar: Die Dosis entscheidet. Ausgangspunkt der Überlegungen der Journalistin und Betriebswirtin war ein Portugal-Urlaub: „Damals hatte ich unter anderem zwei Handys und einen Laptop. Ich war immer erreichbar, auch für Kunden.“ Erst der Sohn habe die Ferienarbeit gestoppt und vor drei Jahren sei klar gewesen: So geht’s nicht weiter. 

In der Folge habe sie sich auf die Suche nach Lösungen gemacht, sei aber in Deutschland nicht fündig geworden, berichtete Stöckle. Bei Unternehmen wie Google und Facebook in den USA habe sie dann gesehen, dass diese ihre Mitarbeiter in Camps schicken, damit sie in die Natur kommen und beispielsweise mit den Händen etwas anpflanzen. „Das fand ich auch cool“, sagte die PR-Expertin, die in Deutschland zunächst einen eigenen Ansatz hinter Klostermauern etabliert hatte. 

Mittlerweile berate sie Unternehmen wie SAP in diesen Kommunikationsfragen. Der dauerhafte Griff zum Handy oder ins Mailpostfach habe ernste Hintergründe: „Wir erleben die totale Verschmelzung von Beruf und Freizeit, weil uns Nachrichten mittlerweile überall erreichen.“ Es gelte, eine gute Mitte zu finden. 

Zu den Folgen der Dauererreichbarkeit zählte die Journalistin, dass viele Menschen der digitalen Kommunikation heute mehr Aufmerksamkeit schenkten als den Menschen, die sie lieben. Auch ertränken viele in einer Informationsflut ohne konfigurierte Filter. Letztlich führe das Internet dazu, dass die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben weit überschritten würden. 

Folgen seien unter anderem eine deutlich herabgesetzte Aufmerksamkeitsspanne und damit einhergehende Konsequenzen für den Arbeitsalltag. Dies brachte Stöckle mit der Glücksforschung zusammen: Menschen seien dann glücklich, wenn sie sich voll auf eine Aufgabe konzentrierten, nach 15 Minuten entstehe dabei ein so genannter „Flow“. 

Wenn aber permanent digitale Nachrichten eintreffen, dann komme der „Flow“ nicht zustande, was auch handfeste wirtschaftliche Schäden für Unternehmen bedeute. Der Ratschlag der Expertin: „Wir müssen dem Gehirn, das unter enormer Reizüberflutung leidet, Pausen geben.“ Die Digitalisierung mache das Leben zwar einfacher, doch gelte es, das richtige Maß zu finden.

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung, 25. November 2016

RedakteurIn: FotografIn: Internet: Datei/Download:
Stefan Scholz

01.12.2016 - Gießener Anzeiger

"Stecker raus - Handy aus - Hirn an"

Journalistin Ulrike Stöckle spricht bei Marketing Club über "Dauererreichbarkeit im digitalen Zeitalter" / Tipps für Teilnehmer

Ulrike Stöckle

"Wir sind völlig versklavt in Sachen digitaler Kommunikation", sagte die Journalistin und Kommunikationsberaterin Ulrike Stöckle während ihres Vortrags "Dauererreichbarkeit - die Schlange im digitalen Garten Eden" vor Mitgliedern des Marketing Clubs in den Räumen der Rittal-Arena in Wetzlar. "Ich war immer erreichbar", gab sie unumwunden zu. Bewusst sei ihr das geworden, als sie sogar im Urlaub ständig an ihrem Laptop saß. Daraufhin habe sie begonnen, diesen "digitalen Wahnsinn" zu hinterfragen. "Wir ertrinken in der Informationsflut, ohne einen Filter", sagte sie. Es sei erwiesen, dass sich Kopfarbeiter alle 15 Minuten ablenken lassen, andererseits benötige man etwa 15 Minuten, um in einen guten Workflow zu kommen - um effektiv arbeiten zu können. Dies bedeute, so Stöckle, aufgrund der ständigen Ablenkungen durch das Smartphone komme man gar nicht in die notwendige Konzentrationsebene. Der Störfaktor Nummer eins seien E-Mails.

Als Beleg dafür benannte sie folgende ermittelte Daten: 60 Prozent aller Amerikaner lesen ihre E-Mails via Smartphone morgens im Bett. 50 Prozent aller Briten leiden an Nomophobia; sie werden nervös, wenn sie ihr Smartphone nicht greifbar haben. "Diese Informationsflut in Kombination mit ständiger Ablenkung führt zu einer Kommunikationskrankheit", sagte Stöckle und fügte hinzu: "Diese Digitalisierung macht uns auch nicht glücklich."

Die Referentin räumte ebenso mit dem Mythos Multitasking auf. "Wir glauben, wir können das. Aber unser Hirn ist dazu nicht eingerichtet", sagte sie. Multitasker würden chronische Aufmerksamkeitsstörungen entwickeln. Die Symptome dafür seien innere Unruhe, Ungeduld und schlechtes Zeitmanagement. Dadurch würde die intellektuelle Leistungsfähigkeit sinken. Und irgendwann ginge es nicht mehr, erläuterte sie. Allerdings gebe es noch keine verlässlichen wissenschaftlichen Aussagen zur Smartphone-Nutzung. Stöckle empfahl, sich und sein eigenes Handy-Verhalten kritisch zu hinterfragen und öfters einmal auch das Gerät wegzulegen und auszuschalten, um den Kopf wieder freizubekommen. "Den Müßiggang als Ziel", regte sie an.

Folgende Tipps gab Ulrike Stöckle am Schluss ihren Zuhörern mit auf den Weg: 1. Offen in den Tag starten - Keine E-Mails schon im Bett oder am Frühstückstisch checken. 2. Sämtliche Benachrichtigungen am Handy und Computer ausschalten. 3. E-Mails nur zu bestimmten Zeiten checken: "Definieren Sie E-Mail-Öffnungszeiten." 4. "Stecker raus, Handy aus, Hirn an": Konzentriert eine Sache abarbeiten und sich nicht von E-Mails oder anderen Dingen ablenken lassen. "Dann schafft man auch sein Pensum." 5. Rückschritt ist Fortschritt: "Ein persönliches Gespräch ist immer noch am wirkungsvollsten und ein Telefonat ist oft noch wohltuender als der tägliche E-Mail-Wahnsinn." 6. Wer viele E-Mails schreibt, wird viele erhalten - "ohne Sinn und Zweck". 7. Richte ein E-Mail-Budget ein: nicht mehr als 20 Mails pro Tag zum Beispiel. Und: "Sei präzise in deinen Formulierungen in der Betreffzeile", empfahl Stöckle.

Quelle: Gießener Anzeiger, 1. Dezember 2016

 

RedakteurIn: FotografIn: Internet: Datei/Download:
Barbara Czernek